Das Leben des heiligen Jean-Marie Vianney: Schenken ohne Maß

Jean-Marie Vianney durfte dem sehr nahe kommen, was es heißt, die eigentliche Aufgabe eines Pfarrers zu erfüllen.

 

Beitrag von Dr. P. André Derndarsky

P. Andre ist Rektor in der St. Josef-Pfarre der Kalasantiner in Wien. Bekannt ist er als begehrter geistlicher Begleiter und Beichtpriester, sowie Initiator der Bethanienhäuser in Österreich. Von 2000 – 2014 schrieb er für die Kalasantinerblätter, zu deren Herausgeber er zählt.

 

Johannes-Maria Vianney

französischer Name: Jean-Marie (Baptiste)

 Gedenktag katholisch: 4. August

 

DAS ELTERNHAUS

Es braucht keinen Eigennamen, eine allgemeine Berufsbezeichnung genügt, um auch hundertfünfzig Jahre nach seinem Tod eindeutig und unverwechselbar von ihm zu sprechen: Pfarrer von Ars. Wenn diese Worte fallen, dann ist von Jean-Marie Vianney die Rede. Viele Menschen kennen ihn als Pfarrer von Ars, ohne aber seinen persönlichen Namen nennen zu können. Und das geschieht nicht ganz zu unrecht: Denn Jean-Marie Vianney durfte dem sehr nahe kommen, was es heißt, die eigentliche Aufgabe eines Pfarrers zu erfüllen.

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Jean-Marie Vianney, Skulptur von Émilien Cabuchet (1867)

 

Das Leben des heiligen Jean-Marie Vianney:

Schenken ohne Maß

Mit ganzer Hingabe wollte er für seine Pfarrangehörigen – es waren etwas mehr als zweihundert – leben, und Gottes Gnade ermöglichte es ihm. Ohne es anzustreben, wurde der sich aufopfernde Landpfarrer lediglich dadurch zu einem einzigartigen Phänomen.

Wohl kaum ein Mensch des 19. Jahrhunderts zog derart viele Menschen an; über Jahrzehnte hinweg war er das Ziel einer ununterbrochenen Wallfahrt. Im Grunde war es aber nicht seine Person, um deretwillen die Menschen kamen sondern es berührten sein Leben und Auftreten, seine Gottverbundenheit und die unglaubliche Gnade, die der Himmel ihm zuteilwerden ließ. Nur Gott weiß, wie und warum es zu der einzigartigen Ausstrahlung und Anziehungskraft dieses Pfarrers kommen konnte, aber ein paar Faktoren, die aus dieser unserer Welt dazu beigetragen haben, können wir doch feststellen. Kann man mit ein paar knappen Worten zum Ausdruck bringen, was Jean-Marie Vianney auszeichnete – ohne dabei eine Vekürzung zu riskieren?

Am ehesten scheint die Kurzbeschreibung „Schenken ohne Maß“ auf sein Leben zuzutreffen.

Betrachten wir drei Anhaltspunkte, die ein wenig begreifen lassen, wie es zu dieser beeindruckenden und bisweilen auch beängstigenden Lebensführung kommen konnte: die Atmosphäre seines Elternhauses, die politische Situation seines Landes und seinen wichtigsten „Ausbildner“.

Die Grundlage

Pierre und Marie Vianney, die Großeltern des Pfarrers von Ars, lebten in Dardilly im Lyoner Bergland. Das wohlhabende christliche Bauernhaus stand für alle offen, die aus verschiedensten Gründen Unterkunft suchten. Viele nützten diese Möglichkeit, denn die Gastfreundlichkeit im Haus Vianney dürfte äußerst liebenswürdig gewesen sein – wie aus einem erhalten gebliebenen Brief zu erkennen ist.

benedict von labre

Benedict von Labre

Im Jahre 1770 verließ der Novize Benedikt Labre1) die Trappistenabtei von Sept-Fonts, weil ihm klargeworden war, als „ewiger Pilger und Fremdling“ leben zu sollen, also unausgesetzt bettelnd unterwegs zu sein. Er machte sich auf den Weg nach Rom und kam über Paray-le- Monial in die Nähe Lyons. Als er eine Schar Bedürftiger bemerkte, schloß er sich ihnen an und gelangte so zum Hof Pierre Vianneys.

Benedikt unterschied sich deutlich von den anderen Armen – außer einem Bettelsack waren drei fromme Bücher sein einziges Reisegepäck. Vianneys Kinder hatten es gelernt, in jedem Fremden Christus zu sehen. Aufmerksam blickten sie auf den ungewöhnlichen Gast, dessen Finger nicht von den Rosenkranzperlen ließen. Auch Matthieu – der spätere Vater Jean-Maries – sah zu, wie Benedikt und auch die weiteren Gäste sich an Suppe, Speck und Gemüse stärkten und sich anschließend auf dem Strohlager über dem Backofen zur Ruhe legten. Am nächsten Morgen zog die Schar weiter, und andere Herbergsuchende lösten sie ab. Ganz überraschend aber langte einige Zeit später ein Brief ein – eben von Benedikt Labre, der zwar äußerst selten schrieb, dem die Gastlichkeit der Vianneys aber wohl sehr nahe gegangen war.

Acht Jahre später heiratete Matthieu Marie Beluse, eine fromme, kluge und eifrige Frau. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, von denen zwei jung starben. Jean-Marie kam am 8. Mai 1786 als viertes zur Welt. Was Matthieu von seinen Eltern gelernt hatte, lebte er weiter – sein Haus bot allen Unterschlupf, die diesen gerade nötig hatten. Jean-Marie kam am 8. Mai 1786 als viertes zur Welt. Was Matthieu von seinen Eltern gelernt hatte, lebte er weiter – sein Haus bot allen Unterschlupf, die diesen gerade nötig hatten. Und die politische Entwicklung sorgte dafür, daß ihn viele nötig hatten.

Als Jean-Marie drei Jahre alt war, brach die Französische Revolution los. Kirchengüter wurden zum Staatseigentum erklärt, 1790 wurden religiöse Orden und deren Gelübde aufgehoben. Das führte zu Protesten, Schlägereien und Toten. Noch im selben Jahr beschloß die Nationalversammlung, daß die französische Kirche zu einer Nationalkirche würde, und brach damit das Konkordat zwischen Paris und Rom. Bischöfe und Pfarrer wurden von den Wahlberechtigten der Departements wie einfache Beamte bestellt. Damit sollte die französische Kirche – ähnlich wie die englische unter Heinrich VIII. – von Rom getrennt werden. Und obwohl die staatsbürgerliche Freiheit groß auf den Fahnen der Revolution geschrieben stand, verpflichtete die Nationalversammlung Ende 1790 alle Priester per Gesetz, den Eid auf die Verfassung abzulegen; wer das nicht tat, verlor sein Amt. Wer also Priester bleiben wollte, mußte – auch gegen seine Überzeugung und sein Gewissen – Folge leisten. Doch keine hundert Geistlichen legten den Eid ab. Daher ernannte der Staat vierzig „falsche Bischöfe“ aus dieser Schar. Daraufhin verurteilte Papst Puis VI. die Verfassung formell und warf den Revolutionären damit den Fehdehandschuh zu. Der Religionskrieg begann, die Bevölkerung stand zu einem großen Teil den romtreuen Priestern unter Gefährdung des eigenen Lebens bei und war entschlossen, sie zu beschützen und zu verstecken.

Der Pfarrer von Dardilly gehörte zu den Priestern, die den Eid leisteten. Die Lage spitzte sich zu. Eidverweigernde Priester wurden verhaftet und innerhalb eines Tages – ohne Berufungsmöglichkeit – hingerichtet.

Wer Eidverweigerer anzeigte, erhielt hohe Belohnung; wer sie versteckte, wurde verbannt. Im September 1792 wurde fünf Tage lang wahllos gemordet – alles im Namen der angeblich jedem Glauben überlegenen Vernunft …

Doch die Mehrzahl der Bevölkerung stand weiterhin hinter „ihren“, den eidverweigernden Priestern. Trotz Lebensgefahr versteckten sie die Priester in ihren Häusern. Auch das Haus Vianney beherbergte immer wieder Geistliche. Wie durch ein Wunder wurde Matthieu nicht „erwischt“ und kam mit dem Leben davon. Der kleine Jean-Marie war damals gerade sieben Jahre alt und erlebte als Kind alle diese Schrecken mit. In der Nacht mußte oft stundenlang marschiert werden, um eine weit entfernt versteckt gefeierte Messe mitfeiern zu können.

Darüber hinaus wurden zahllose arme Wandergesellen, die ohne Heim waren, bei Vianneys aufgenommen. Bis zu zwanzig Männer waren mitunter „zu Gast“; Jean-Marie tat, was er von seinen Eltern gelernt hatte, und umsorgte sie, gab ihnen sein eigenes Essen und stattete sie mit Mutters Hilfe mit neuen Kleidern aus. Wie ein „Rattenfänger“ brachte er Menschen ins Haus, einmal waren es sogar zwei Dutzend.

Die Revolution schritt fort. Alle Menschen waren „gleich“ und „Brüder“, aber viele wurden umgebracht. Die Menschen waren „frei“, durften aber Gott nicht verehren; die Erziehung war „frei“, aber unterrichten durfte nur, wer den Eid auf die Verfassung ablegte. All das erlebte Jean-Marie mit acht Jahren mit. Es grub sich in sein Herz ein: Der Glaube wurde verfolgt, es gehörte Mut und Entschlossenheit und Anstrengung dazu, ihn beizubehalten.

Das Vorbild

Mit dreizehn Jahren empfing Jean-Marie das erste Mal die Kommunion; noch immer war es notwendig, im Versteck Messe zu feiern. Das änderte sich jedoch, als 1799 Napoleon mit einem Gewaltstreich die Geschicke Frankreichs in die Hand nahm. Die Kirchen wurden wieder geöffnet, die Sonntage wieder mit heiliger Messe gefeiert. Jean-Marie half seinem älteren Bruder François auf dem elterlichen Hof, was für ihn schwere körperliche Arbeit bedeutete. Gleichzeitig aber verstärkte sich seine Sehnsucht nach der Nähe zu Christus, und er verbrachte viel Zeit in der Kirche. Mit sechzehn Jahren hörte er den Ruf Gottes, er möge ihm folgen.

Mit Freude wollte er Priester werden, fragte sich aber, ob er vom Vater die Erlaubnis bekommen würde und wie er in seinem Alter mit bloß dürftiger Volksschulbildung dieses Ziel erreichen sollte.

Zwei Jahre lang verweigerte Matthieu Vianney dem Wunsch seines Sohnes die Zustimmung. Doch als er von der Möglichkeit hörte, daß Jean-Marie beim „Nachbarpfarrer“ Charles Balley in Ecully seine vorbereitenden Studien machen und bei Verwandten wohnen könnte, willigte er schließlich ein.

Damit kam Jean-Marie zu dem Mann, der für sein Leben entscheidend war. Charles Balley kam 1751 als jüngstes von sechzehn Kindern in Lyon auf die Welt. Sehr jung trat er in den Orden der Genovefaner ein, der allerdings in der Revolution aufgelöst wurde. Unter Lebensgefahr feierte er in der Zeit der Religionsunterdrückung im Verborgenen Messe für die Gläubigen, wobei ihn Jean-Marie kennenlernte. 1803 wurde er Pfarrer in Ecully und gründete eine Pfarrschule, um Priesterberufungen zu fördern. Obwohl am Rand seiner Auslastung, nahm er nach inständigen Bitten der Verwandten Jean-Maries sowie einem kurzen Gespräch mit ihm den jungen Mann in seine Schule auf: „Für Sie werde ich mich opfern, wenn es sein muß!“ Die schulischen Fortschritte des Spätberufenen waren erbärmlich. Balley fing Jean-Marie auf, als dieser ohne Hoffnungm, sein Ziel je zu erreichen, aufgeben wollte.

Aufgrund eines Versehens wurde Jean-Marie zum Dienst mit der Waffe einberufen. Täglich betete Balley mit der Pfarre für ihn, und nach sechzehn Monaten kehrte der Student wieder zurück. Balley holte ihn nun zu sich ins Pfarrhaus und nahm ihn in seine Schule. Balley war ein großgewachsener Mann von einer schlichten, innigen Frömmigkeit, der nur aus Haut und Knochen zu bestehen schien und ein hartes Bußleben führte. Immer wieder intervenierte er bei den Professoren und der Diözesanleitung, um Jean-Marie vor dem Scheitern zu bewahren. Er unterrichtete ihn selbst weiter und erreichte seine Zulassung zur Weihe.

DIE POLITISCHE SITUATION

„Auf dem Weg der Buße ist nur der erste Schritt schwer“, sagte Jean-Marie Vianney. Er hat das Leben der Buße freiwillig auf sich genommen und dabei die Hilfe und Inspiration seines Gottes gespürt. Die Kargheit seines Lebens ist unerhört, die Verzichte, die er sich auferlegt, erscheinen unverständlich. Warum das alles?

Leben ohne Annehmlichkeiten:

imagesYWA1OV0YImmer der schmale Weg

Eine große Sehnsucht …

Die Frömmigkeitsformen und das Gottesbild seiner Zeit stellen sicher einen Hinweis, aber noch lange keine ausreichende Erklärung dar. Der tiefe Grund war ein anderer:

„Mein Gott, gewähre mir doch die Bekehrung meiner Pfarre! Ich bin bereit, alles, was du über mich verhängen willst, bis zum Ende meines Lebens zu dulden.“ Ein Bekannter sah ihn im Wald knien und hörte, wie er unter Tränen betete: „Mein Gott, bekehre meine Pfarre!“ „Seelenretten“, wußte er, „muß etwas kosten.“ Es war ihm klar, daß nur Gott die Bekehrung bewirken konnte, darum bat er auch inständig darum. Doch ebenso stand für ihn außer Zweifel, daß er sich dafür einsetzen wollte und musste.

Die Ereignisse gaben ihm recht: Sein persönliches Lebenszeugnis erreichte viel. Zuerst die Bewohner von Ars, später auch die Pilgerströme – sie alle erkannten, wieviel diesem Priester Gott und die Liebe seiner Mitmenschen zu Gott bedeuteten. Er setzte sich für die Menschen ein – vorerst für seine Pfarrkinder, die er besuchte, beschenkte und zu den Sakramenten zurückführte, danach für die Tausenden, die von überallher beichten kamen. Diesen unermüdlichen Einsatz wird jeder verstehen und gutheißen.

… darum nichts vergeuden

Doch der Pfarrer von Ars ist konsequent. Wenn er besuchen und beschenken, Beichte hören und lehren will und soll, so reduziert er alles, was ihn davon abhält. Möglichst nur eine Mahlzeit am Tag, bestenfalls zehn Minuten dafür brauchen, damit er – nach seinen eigenen Worten – „zwischen zwölf und ein Uhr zu Mittag speisen, das Zimmer fegen, mich rasieren, schlafen und die Kranken besuchen“ konnte. Er besaß keinen Mantel, sah einen dritten Talar als Luxus an, lehnte Matratze und Polster ab, wollte als Geschirr nicht mehr als einen Napf und einen Löffel und versagte sich, den Duft einer Blume einzuatmen, Obst zu essen oder an heißen Tagen zusätzlich Wasser zu trinken. Ist das auch noch zu verstehen? Wenn man etwa weiß, wie Kälte und Hitze in der Kirche von Ars je nach Jahreszeit herrschten, wie wenig Zeit ihm noch zum Schlafen blieb, um allen Beichtwünschen nachzukommen, dann wird es verständlich:

Je behaglicher das Bett, desto schwerer das Aufstehen, desto kürzer die Zeit für Gebet und Dienst; je mehr Gelegenheiten, sich durch Trinken und Obst zu stärken, desto häufiger und länger die Pausen; je üppiger die Mahlzeiten, desto länger das Verweilen beim Essen; je verlockender das Wetter oder die Natur, desto mehr schweift die Phantasie dorthin ab.

Deswegen verbietet sich Jean-Marie Vianney all diese Möglichkeiten von vornherein – um völlig verfügbar zu bleiben. Alles schenkt er her, was ihn erfreuen könnte, um die zu ihm kommenden Menschen nach seinen Möglichkeiten mit der Gnade Gottes zu beschenken.

Was ist uns möglich?

Nicht nachahmen, aber erkennen, wo in unserem Leben sehr viel Ablenkung, Egozentrik, Bequemlichkeit und Oberflächliches vorhanden sind, die durchaus zu reduzieren wären, ohne daß wir in den Verdacht übertriebener Aszese gerieten. Denn jede Kürzung könnte sogleich eine Vermehrung von Freudigem, Wertvollem und Fruchtbarem bewirken.

DER LEHRER

Die Priesterweihe empfing Jean-Marie knapp dreißigjährig am 13. August 1815. Danach war der Neupriester drei Jahre bei seinem Lehrer Balley als Kaplanin Ecully tätig. Ein Wettstreit in der Aszese begann: Ein Heiliger lernte bei einem Heiligen. Sie zeigten einander – ohne Wissen des jeweils anderen – im Ordinariat wegen „übertriebener Kasteiung“ an, machten gemeinsame Wallfahrten und verfaßten den Rosenkranz zur Unbefleckten Empfängnis.

Für Vianney war es eine Schule der Heiligkeit, die er erleben durfte –bis sein geliebter Lehrer an den Folgen einer Blutvergiftung mit 66 Jahren verstarb. Damit endet Vianneys Vorbereitungszeit auf seinen Einsatz in Ars, der über vierzig Jahre dauern wird. Er wird mit dem großen Verlangen ankommen, Seelen zu retten. Dafür wird er alles geben und alles verschenken, was er nur hat.

Die offenen Herzen seiner Großeltern und Eltern für die Armen haben diese Großzügigkeit in ihm grundgelegt; das Erleben der brutalen Unterdrückung von Religion, Kirche und Glauben drängt ihn dazu, auch spirituell großzügig zu sein, also für die Menschen zu beten und zu opfern, um der Macht des Bösen entgegenzuwirken; und das gelebte Beispiel seines Lehrers und Begleiters Balley stachelt ihn weiter auf, auch im Alltag sehr konkret auf möglichst viel zu verzichten, um frei zu sein für die Anliegen und Bedürfnisse der Menschen.

l4F610SVdBb26yPAzY8o1Y3sGOFikOnlyxeOOrGjSQIFür uns: Trost und Ansporn

Das Leben der Heiligen kann und soll nicht nachgeahmt werden. Gott hat jeden Menschen zur Originalität und Einzigartigkeit auch in der Heiligkeit berufen. Aber Heilige wollen und sollen uns berühren und aufmerksam machen auf Wesentliches und Entscheidendes. Sie sind unverzichtbare Helfer auf unserem persönlichen Weg mit Gott.

Nach der Betrachtung dessen, was mitgeholfen hat, daß der Pfarrer von Ars sein außergewöhnliches Leben beginnen konnte und auch durchgehalten hat, können wir bereits dreimal aufhorchen. Denn auch wenn kaum jemand von uns aus einer Landpfarre einen Beichtwa Walfahrtsort machen wird, so läßt sich doch einiges entdecken, was für unser eigenes Leben und unsere jeweilige Berufung tröstlich und auch anspornend ist. Da ist einmal der hohe Wert des Vorlebens von Tugenden und Haltungen, wie es die Eltern Jean- Maries getan haben. Sie waren kein Pfarrer von Ars, aber sie haben ihm entscheidend geholfen, es zu werden. Wir alle haben ein Umfeld von Menschen, prägen durch unser Leben eene Atmosphäre, bilden einen Boden, auf dem viel – eben auch Heiliges – wachsen kann.

Seien wir uns dessen bewußt: Es geht in unserem Leben nicht darum, uns zu beweisen, wie gut oder außergewöhnlich wir durch unser Tun sind, sondern vielmehr darum, unser ehrliches und dienendes Dasein zur Verfügung zu stellen, damit Gott geholfen wird, seine Heiligen zur Entfaltung kommen zu lassen. Zweitens könnten wir lernen, dem unabänderlich Bösen und Dunklen die richtige Bedeutung zuzuweisen. Es hilft nichts, ständig zu jammern und zu bedauern, wie schlimm alles (oder manches) ist und wie alles eigentlich sein sollte. Die Schrecken der Revolution lassen in Jean-Marie viel Positives reifen und machen ihn eigentlich stark. Er will sich bedingungslos für den Glauben an Gott und Jesus Christus einsetzen, er wird keine Mühe und Überwindung scheuen, um der Macht des Bösen entgegenzuwirken – durch seinen konkreten Einsatz für die Menschen und ebenso durch seine Art, Gott seine Liebe zu ihm und zu den Menschen, die er erlöst sehen will, in jeder erdenklichen Weise zu schenken. Beklagenswerte Zustände sollen uns nicht deprimieren, sondern viel mehr herausfordern und uns helfen, in der Kraft des Heiligen Geistes unseren Teil dazu beizutragen, daß Gottes Licht auch in diesen Dunkelheiten zu leuchten beginnt.

Und schließlich sehen wir am Pfarrer von Ecully, Charles Balley, was die persönliche Hingabe für einen Menschen vermag. Balley sucht sich Jean-Marie nicht aus; dieser kommt mit seiner Sehnsucht nach dem Priestertum zu ihm. Balley will nicht seine eigenen Vorstellungen in dem jungen Mann verwirklichen, sondern er dient ihm: Er unterstützt ihn, ermutigt ihn in den Krisen und räumt Hindernisse aus dem Weg.

Auch das wird uns oft möglich sein: unseren Nächsten auf ihrem Weg zum Leben zu dienen, indem wir unsere Zeit, unsere Gaben und Mittel zur Verfügung stellen, auch wenn es uns im Augenblick nicht selbst nützt oder sogar unsere eigenen Pläne durcheinander bringt.

1) Benedikt Josef Labre (geb. 1748 in Amettes/Frankreich, gest. 1783 in Rom), Pilger, Mystiker; 1881 heiliggesprochen. Mehr Info: http://de.wikipedia.org/wiki/Beno%C3%AEt_Joseph_Labre

Quelle und LINK: http://www.kalasantiner.at/angebote/kalasantiner-blaetter/

 

Foto: Andreas König  http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Marie_Vianney#mediaviewer/File:Ars_Jean-Marie_Vianney_Cabuchet.jpg

Foto: schmaler  Weg: www.ekir.de

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