Damit Mutter und Kind zueinander passen

So könnte man das Dogma der Unbefleckt Empfangenen Gottesmutter umschreiben. Was glaubt, wer katholisch ist? Dies kann man natürlich im großen Katechismus der katholischen Kirche nachlesen. Doch wie erkläre ich einschlägige Glaubensfragen einem religiös unmusikalischen Menschen, der aber in seinem Innersten eine tiefe Sehnsucht nach Gott verspürt? Oder wie kann man einem getauften Christen, der aus welchen Gründen auch immer seinen Glauben nicht wirklich praktiziert und sich vom Hörensagen eine Meinung über die Kirche macht, die Schönheit und Wahrheit der Liturgie näherbringen?
Frei von emotionaler Spannung greift Josef Bordat in seinem neuen Buch eine kluge Auswahl von „heißen Eisen“ auf, die er als „Sündenregister“ der Kirche betitelt hat. Er versetzt sich dabei in die Lage eines Kirchenkritikers, der seinem Frust Luft machen möchte und einen kompetenten Ansprechpartner sucht. Es soll keiner belehrt oder von etwas überzeugt werden, dass er nicht glauben möchte. Es geht um eine knappe und sachliche Auseinandersetzung mit den allen bekannten Reizthemen.
Nur einige Pinselstriche seien hier angegeben, um Geschmack an der jeweils kurzweiligen Lektüre der einzelnen Beiträge zu bekommen. Die Bibel gilt als das Buch der Bücher, wichtig ist Bordat, dass sie nicht nur ein Bücherregal oder den Nachttisch ziert, sondern gläubig von Christus her gelesen wird. Was unterscheidet den katholischen Glauben an Engel von dem nicht selten esoterisch angehauchten Engelkult oder der einstigen „geflügelten Jahresendfigur“ der ehemaligen DDR? Die körperlosen „himmlischen Mutmacher“ hat Gott allen Menschen zur Seite gestellt, um für sie da zu sein. Sie sind nicht an ihren Flügeln, sondern an ihrem Wirken zu erkennen (S. 44). Was versteht man unter dem Gewissen? Leicht verständlich erläutert der Autor, was es mit der inneren Stimme im Menschen auf sich hat. Beim Thema Kirche stellt Bordat heraus, dass es immer um die Wahrheit und weniger um Mehrheit geht, im Wissen um die schwachen und fehlbaren Amtsträger und überhaupt aller Christen. Beim Thema Missbrauch tut Aufklärung Not – doch hier sollten alle Fakten auf den Tisch gelegt werden, damit der Blick sich nicht einseitig auf die verhältnismäßig geringe Fallzahl unter Priestern fokussiert. Doch bleibt klar: jeder Fall ist einer zu viel (S. 149). Die Sexualmoral wird eingehend unter der Perspektive einer Kultur des Lebens beleuchtet, wie sie von der katholischen Kirche vertreten wird (S. 215). Auch der wichtige Begriff der Tradition ist unter den besagten „Todsünden“ zu finden. Hier ist dem Autor wichtig, dass man nicht in eines der Extreme fällt, den Modernismus oder aber Traditionalismus. Er schlägt folgende treffende Definition vor: „Tradition schreibt das Wesentliche unter veränderten Kontextbedingungen fort, ohne an starren Formen festzuhalten“ (S. 235).

Bordat behandelt 36 Themen in alphabetischer Reihenfolge. Aus der Fülle möglicher Information wählt er klug das aus, was einem kritischen Geist helfen könnte, das nachzuvollziehen oder gar zu verstehen, was einem gläubigen Katholiken wichtig und wertvoll ist. Gedanklich stützt sich der neue Online-Redakteur der Tagespost vor allem auf ausgewiesene Experten der katholischen Dogmatik, Moral oder Kirchengeschichte, nicht zuletzt oft auf den emeritierten Papst Benedikt/Joseph Ratzinger.
Das Nachschlagewerk mag auch als Impulsgeber fungieren, um mit Jugendlichen oder Arbeitskollegen über Glaubensthemen ins Gespräch zu kommen. Und es eignet sich dazu, den eigenen Kenntnisstand zu hinterfragen und mit einer kurzen Lektüre so manche Lücke zu schließen. Vielleicht noch eine Idee für ein Weihnachtsgeschenkt?

Dr. Bergund Fuchs

Link: https://empfehlenswertes.wordpress.com/ 

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